Mobiflexi im Pitch-Format und was ein Investor fragen würde
Ein Gelenkpräparat im Pitch-Format ist keine Gefühlssache, sondern Mathematik: Was kostet eine Flasche, wer bleibt nach Woche sechs dabei, und warum steht das Produkt in keinem Regal. Diese Rechnung steht hier – inklusive der Gegenargumente.
Warum ein Gelenkpräparat ins Pitch-Format passt
Das Format ist alt und die Logik dahinter auch: Ein Gründer hat neunzig Sekunden, danach fragen die Investoren. Bei einem Nahrungsergänzungsmittel für Gelenke kommt selten Begeisterung auf, aber sehr schnell Arithmetik – Akquisekosten, Wiederbestellquote, Marge nach Versand.
Bei Mobiflexi ist diese Arithmetik deshalb interessant, weil das Produkt nicht im Handel steht. Wer nach dem Regalplatz fragt, bekommt keine Antwort über Distribution, sondern eine über Direktvertrieb: drei Paketstufen, ein Abo, eine Geld-zurück-Frist, kein Zwischenhändler.
Investor-Fragen und die Antwort, die der Pitch geben müsste
| Was ein Investor fragt | Die ehrliche Antwort | Warum die Frage kommt |
|---|---|---|
| Warum nicht im Handel | Direktvertrieb über den eigenen Shop, ohne Apotheken- und Drogeriemarge | Regalplatz kostet 25 bis 40 Prozent vom Verkaufspreis |
| Warum drei Paketstufen | 49,95 € im Starterpaket, 39,97 € pro Packung im 2-Monats-Vorrat, 36,65 € im 90-Tage-Paket | Rabatt auf Reichweite statt auf Stückzahl hält die Kundenbeziehung lang |
| Wie weit reicht eine Flasche | 30 Tagesdosen, eine Kapsel täglich | Bestimmt den Rhythmus der Wiederbestellung |
| Was kostet der Einstieg | 49,95 € plus 4,95 € Versand, zusammen 54,90 € | Der Einstieg ist die teuerste Stufe und der häufigste Abbruch |
| Was hält Kunden bei der Stange | 90-Tage-Kur, Wirkeintritt meist ab Woche sechs, 30 Tage Geld zurück | Ein Abo ohne Wirkungsfenster kündigt im Schnitt nach fünf Wochen |
| Warum kein Marktplatz | Kein eigener Shop, die Preisführung bleibt beim Hersteller | Marktplätze erzwingen Rabatte und liefern anonyme Käufer ohne Adresse |
Stückökonomie: was eine Flasche im Pitch wirklich kostet
Drei Flaschen zum Streichpreis von 69,95 € ergäben 209,85 €. Das 90-Tage-Paket steht mit 109,95 € in der Liste, also 99,90 € weniger und ohne Versandkosten – 47,6 Prozent, gerechnet auf den Tag 1,22 €.
Ein Investor rechnet das rückwärts. Von 36,65 € pro Packung gehen Rohstoffe, Kapsel, Blister, Karton, Einlagerung und die letzte Meile ab. Was übrig bleibt, musste die Akquisition bezahlen, nicht die Produktion. Die zweite Bestellung ist die eigentliche Marge, und deshalb ist der Tagessatz das Argument im Pitch: 1,22 € gegen 1,67 € im Starterpaket, dazu gratis Versand ab zwei Flaschen.
Was dagegen spricht
- Kein Regal, keine Haptik Wer die Packung nicht in der Hand hält, bestellt zögerlicher. Ein Pitch lebt von der Demonstration, und bei Kapseln ist eine Demonstration schwer.
- Der Effekt kommt spät Sechs Wochen bis zur spürbaren Veränderung, vier Wochen bis zur Kündigung. Das ist der Schwachpunkt jedes Abo-Modells in dieser Kategorie.
- Kein unabhängiger Preisanker Ohne Marktplatzliste fehlt der Vergleich. Der durchgestrichene Preis von 79,95 € ist die einzige Referenz, und die setzt der Anbieter selbst.
- Die Abo-Vorauswahl Im Kleingedruckten sitzt das Geschäftsmodell. Ein Löwe fragt nach der Kündigungsquote in Monat zwei, nicht nach der Zahl der Neukunden.
- Kein Schutz im Rechtssinne Markenrohstoffe wie UC-II oder Meriva helfen bei der Glaubwürdigkeit, nicht beim Wettbewerbsschutz. Dieselben Zutaten sind für jeden abfüllbar.
Der Retention-Streit, den im Pitch niemand gewinnt
Die Seite des Gründers
Wer drei Monate nimmt, bleibt im Schnitt deutlich länger Kunde als wer eine Flasche kauft. 109,95 € sind eine andere Schwelle als 49,95 €, und wer sie überschritten hat, bestellt nach, sobald die Steifheit im Herbst wieder anzieht.
Die Seite des Investors
Reichweite ist kein Beleg für Loyalität. Ohne Cohort-Kurve nach Monaten ist die Paketstufe nur ein Durchschnitt, und Durchschnitte verschwinden gerne in Pitch-Decks. Gekauft wird die Kurve, nicht die Stufe.
Wie dieser Pitch ausgehen würde
Realistisch ist ein Angebot auf niedrige Bewertung: Die Marge im Direktvertrieb ist ordentlich, die Skalierung aber teuer, weil jeder Kunde einzeln gekauft werden muss.
Der nächste Schritt wäre der Handel – und der wäre der erste, der die Preislogik beschädigt. Solange Mobiflexi nicht im Regal liegt, geht die Rechnung auf. Ein Löwe mit Apothekenbeziehungen wäre der Widerspruch in der eigenen Kalkulation.
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